Zwischen Politik und militärischem Kampf

Geschrieben von Iskandar El Cheikh am .

Die libanesische Hizbollah hat in jüngster Zeit viel Aufsehen im Nahen Osten erregt. In ihrem unnachgiebigen Kampf gegen Israel scheint sie vor nichts zurückzuschrecken. Der Westen betrachtet die islamische Bewegung als Terrororganisation. Im Libanon dagegen zählt sie zu den einflussreichsten politischen Akteuren. 

Wie kaum eine andere militante Bewegung hat die libanesische Hizbollah (arabisch حزب الله, zu Deutsch: „Partei Gottes“) in jüngster Zeit das Konfliktgeschehen im Nahen Osten bestimmt. Spätestens seit der gescheiterten israelischen Mission im Sommer 2006, die „Partei Gottes“ durch einen umfassenden Militärschlag zu eliminieren, genießt die schiitische Bewegung in weiten Teilen der arabischen und islamischen Welt außerordentlich hohes Ansehen und Popularität. Viele Libanesen, Iraker und Palästinenser betrachten die Hizbollah als heldenhafte Befreiungsbewegung, die sich als einzige militärische Kraft im Nahen Osten fähig erweist, der übermächtigen israelischen Armee die Stirn zu bieten.

Mehr als nur ein Gewaltakteur

Zu Zeiten des libanesischen Bürgerkriegs als islamistische Widerstandsbewegung gegen die israelische Besatzung entstanden, führt die „Partei Gottes“ bis heute einen scheinbar unnachgiebigen Guerillakrieg gegen Israel. Als einziger substaatlicher Gewaltakteur im Libanon hat sie nach dem Ende des Bürgerkrieges ihr umfangreiches und immer wieder verstärktes Waffenarsenal nicht aufgeben müssen und widersetzt sich bis heute nationalen und internationalen Forderungen nach einer Entwaffnung.

Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung der westlichen Öffentlichkeit ist die Hizbollah jedoch mehr als nur ein militanter oder gar terroristischer Gewaltakteur: Sie hat sich seit Wiederherstellung der staatlichen Ordnung 1990 augenscheinlich erfolgreich in die politische Ordnung integriert und zu einer der einflussreichsten politischen Organisationen des Libanon entwickelt. So nimmt sie seit 1992 an allen nationalen und kommunalen Wahlen teil und ist gegenwärtig sogar an der Regierung beteiligt.

Dennoch betrachten vor allem die Christen und Sunniten des Landes die in der libanesischen Gesellschaft tief verwurzelte politische und soziale Bewegung als eine Bedrohung für den Staat: Sie werfen der Hizbollah vor, einen allumfassenden islamischen Staat nach dem Vorbild des Ayatollah-Regimes in Teheran errichten zu wollen. Nach dem Attentat auf Ex-Premierminister Rafik Hariri und – noch deutlicher – nach ihrem selbst ernannten Sieg über Israel im Jahr 2006 schlug die Partei einen politischen Blockadekurs gegen die westlich gestützte Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora ein und stürzte das Land in eine tiefe politische Krise.

Politische Lähmung des Libanon

Die innenpolitischen Auseinandersetzungen um die Rolle der Hizbollah haben in den vergangenen Jahren das politische Leben im Libanon weitgehend gelähmt und die alten konfessionellen Bruchlinien des multi-ethnischen Staates wieder hervor treten lassen. Als die Hizbollah im Frühjahr 2008 in einer völlig unerwarteten gewaltsamen Revolte große Teile der libanesischen Hauptstadt kurzzeitig unter ihre Kontrolle brachte, hat sie den Libanon innerhalb von Tagen an den Rand eines neuen Bürgerkrieges getrieben. Wochenlang führten Anhänger und Gegner der Hizbollah schwere Straßenkämpfe.

Die jüngsten Ereignisse offenbaren die unmittelbare Gefahr, die von der Bewegung und ihrem militärischen Arsenal ausgeht – nicht nur für Israel. Sie machen darüber hinaus deutlich, wie fragil der Frieden im Libanon auch achtzehn Jahre nach Ende des Bürgerkrieges noch ist. 


Wer oder was ist die Hizbollah? Was sind ihre Ziele, wofür kämpft sie wirklich? Die wissenschaftliche Studie versucht darauf Antworten im Rahmen der Transformationsprozesse zu finden, die typischerweise beim Übergang vom Krieg zur Friedensordnung entstehen. Iskandar El Cheikh untersucht präzise und detailliert die unabgeschlossene Entwicklung der Hizbollah und analysiert, warum sie ihre Militanz bislang nicht aufzugeben bereit ist.


ISBN 978-3-8288 -2273-3 
301 Seiten Paperback 
Tectum 2010 

HIER BESTELLEN...